Grafik, Musik und ein Hoi: Kreativ unterwegs zwischen Zürich und Liechtenstein
Viertel nach fünf in Zürich. Während die Stadt noch schläft, startet German Villotti seinen Weg nach Triesen. Eine Stunde später, entspannt und fokussiert, ist er an seinem Arbeitsplatz an der UFL (Private Universität im Fürstentum Liechtenstein). Für den Grafiker bedeutet der tägliche Pendelweg nicht nur Mobilität, sondern Raum für Ideen, Reflexion und kreative Energie. Seit fast zehn Jahren gestaltet er die visuelle Identität der Universität und bringt seine Erfahrung aus mehr als drei Jahrzehnten selbstständiger Grafikarbeit ein, und das mit einer Leidenschaft, die sofort spürbar ist.
Beruflicher Hintergrund und Aufgaben
Bei der UFL ist German Villotti für alles zuständig, was mit Grafik und visuellem Auftritt zu tun hat. Vom Branding über Werbemittel, Kursflyer bis hin zu digitalen Mediengestaltung – sein Ziel ist es, einen einheitlichen, wiedererkennbaren Markenauftritt zu schaffen. «Das Logo ist das Herzstück jeder Marke. Es sollte klar, einfach und eindeutig sein. Die richtige Farbe, die richtige Form und schon entsteht Wiedererkennung», erklärt er. Seine langjährige Erfahrung als selbstständiger Grafiker in Zürich ergänzt die Arbeit an der UFL perfekt. Berufsstolz, technisches Können, ästhetisches Gespür und kreative Flexibilität ermöglichen es ihm, die Marke strategisch und visuell weiterzuentwickeln. Besonders schätzt er die Möglichkeit, vor Ort in Triesen Teil des täglichen Prozesses zu sein, Zusammenhänge zu erkennen, Entscheidungen mitzutragen und gemeinsam mit dem Team die visuelle Identität kontinuierlich zu stärken.
Kreativ auf dem Weg
Früh morgens, wenn die Strassen noch ruhig sind, startet German Villotti von Zürich nach Liechtenstein. «Die Zeit im Auto nutze ich, um über Ideen nachzudenken. Oft gehe ich ohne konkrete Designideen los, und während der Fahrt entstehen Inspirationen für die Umsetzung.»
Den Arbeitsweg von Wollishofen über Sargans mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten dauert zu lange, daher zieht er das Auto vor. Für ihn bedeutet Work-Life-Balance nicht die Trennung von Beruf und Freizeit, sondern die Freude am Job. «Grafik ist meine Leidenschaft. Ich sehe mich als Dienstleister.
Eindrücke, Menschen und Momente, die den Alltag prägen
Liechtenstein schätze ich nicht nur beruflich, sondern auch menschlich. Es ist überschaubar und freundlich, und die Duzkultur gefällt mir sehr. Ein einfaches «Hoi» bricht sofort Barrieren auf und macht den Alltag angenehm. Besonders beeindruckt mich die kulturelle Vielfalt: Menschen aus vielen Nationen leben hier, sprechen unterschiedliche Dialekte, und trotzdem spürt man eine gemeinsame Offenheit.
Im Vergleich zu Zürich fällt mir sofort der Unterschied in der Mentalität auf. Die Stadt ist hektisch und oft stressbeladen, hier dagegen erlebe ich eine ruhige Dynamik. Es gibt genauso Produktivität, aber ohne den künstlichen Stress. Die Menschen nehmen sich Zeit, geniessen Momente, und das gefällt mir sehr.
Leben, Leidenschaft und Philosophie
Grafik ist meine Leidenschaft! Ich war ursprünglich Maschinenbauzeichner. Eines Tages stand ich in meinem Büro – etwa 50 Meter lang, ein Zeichentisch nach dem anderen – und fragte mich: «Will ich so alt werden?» Ich entschloss mich, eine Weltreise zu machen. Kurz davor rief mich ein guter Kollege an und sagte: «Du, ich habe eine Lehrstelle als Grafiker für dich – hast du Interesse?» Der innere Kampf begann: Teufelchen, Engelchen ... ich entschied mich für die Arbeit.
Gestalten fasziniert mich, weil es immer ein leeres Blatt gibt, auf dem man etwas erschaffen kann. Früher auf Papier, heute digital – der Sinn bleibt derselbe. Ich kann meine Sicht auf die Dinge ausdrücken, künstlerisch, zeichnerisch, Flächen gestalten, Abzüge oder Vervielfältigungen umsetzen und gleichzeitig mit Menschen kommunizieren. Das alles erfüllt mich Tag für Tag.
Auch privat habe ich viele Leidenschaften – die Musik ist für mich wie ein Tagebuch voller Erinnerungen, Zeichnen gehört einfach zu meinem Alltag, und beim Kochen tue ich mir selbst etwas Gutes. In den letzten Jahren habe ich das Töff fahren für Ausflüge an die Seen entdeckt, dabei begleitet mich oft mein Lieblingsautor Haruki Murakami. Für die Zukunft habe ich schon neue Projekte im Blick: Töpfern und Aikido – mal sehen, ob ich mich dabei genauso verliere wie in meinen Zeichnungen», sagt er mit einem Lächeln.
Für German Villotti ist Liechtenstein ein Ort, an dem Kreativität, Lebensqualität und Arbeitsfreude perfekt zusammenkommen. Das Pendeln aus Zürich ist kein Hindernis, sondern Teil seiner Routine, die Raum für Ideen schafft und den Fokus schärft. Die Mischung aus professioneller Verantwortung, freundlicher Umgebung, kultureller Vielfalt und persönlicher Inspiration macht den Arbeitsalltag für ihn besonders wertvoll.
«Ich fühle mich hier eingebunden, verantwortlich und motiviert. Liechtenstein ist für mich mehr als ein Arbeitsplatz – es ist ein Ort, an dem man als Mensch und als Kreativer wachsen kann.»